Der Carbon Footprint von Bekleidung

220 Gramm Textil, 11 Kilogramm CO2

10,75 Kilogramm CO2 und andere Treibhausgase – das ist der Klimarucksack, oder auch Product Carbon Footprint, eines weißen Damen-Longshirts aus Baumwolle mit einem Gewicht von 220 Gramm. Der Carbon Footprint entspricht damit dem 50-fachen des Eigengewichtes. Oder einer 40 Kilometer-Fahrt mit dem PKW. Und die CO2–Emissionen von fünf Longshirts würden einen 20’-Standard Container füllen.

In einem Forschungsprojekt hat Systain zusammen mit der Otto Gruppe den Carbon Footprint von drei ausgewählten Textilien ermittelt. Das Projekt war Teil eines Vorhabens des Bundesumweltministeriums, des Umweltbundesamtes und des Öko-Instituts zur CO2-Bilanzierung. Eine Vielzahl von Daten wurde in Asien und in Deutschland erhoben. Anschließend wurden diese auf ihre Zuverlässigkeit geprüft, bevor die Auswertung und Analyse der Klimawirkung entlang des Lebensweges erfolgte.

Was ist der Product Carbon Footprint?

Der Carbon Footprint eines Produktes gibt alle Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebensweg eines Produktes an, d.h. von den Rohstoffen über Herstellung, Transport, Distribution, Gebrauch und Entsorgung.

Das Longshirt hat dabei einen langen Weg zurückgelegt: von der Baumwolle aus den USA über Garnherstellung, Färben und Nähen in Bangladesch bis zum Transport des fertigen Produktes mit dem Seeschiff nach Deutschland und dann weiter zur Haustür des Kunden. Das sind mehr als 35.000 Kilometer – also fast einmal um die Erde.

Eine wichtige Erkenntnis des Projektes: mit fast einem Drittel entfällt der größte Anteil der verursachten CO2e-Emissionen auf die Gebrauchsphase des Longshirts. Bei angenommenen 55 Waschgängen und anteiliger Trocknernutzung und Bügeln variiert der Carbon Footprint des Produktes mit der Waschtemperatur, der Energieeffizienz und Beladung von Waschmaschine und Trockner erheblich. Besonders gravierend wirkt die Nutzung des Trockners aus. Kommt er bei jedem Waschgang des Longshirts zum Einsatz steigt der Carbon Footprint der Gebrauchsphase von 3,3 kg CO2e um das Dreifache auf mehr als 10 kg CO2e. Fazit: Verbraucher können durch ihr Verhalten einen wichtigen Beitrag zur Verringerung des Carbon Footprints des Textils leisten.

In der Herstellung des Longshirts entstehen Treibhausgase besonders beim Spinnen und Färben. Aufgrund der instabilen Stromversorgung produzieren die Betriebe in Bangladesch den Großteil des benötigten Stroms selbst. Dabei nutzen sie häufig das im Land verfügbare Erdgas als Energiequelle. Erdgas besitzt eine günstigere CO2e-Bilanz als Öl und Kohle.

Trotz der großen zurückgelegten Distanz machen die Transportemissionen mit 290 Gramm CO2e einen überraschend geringen Anteil aus. Kommt das fertige Textilteil hingegen nicht per Schiff sondern mit dem Flugzeug von Asien nach Europa, würden die Transportemissionen auf 4 kg CO2e steigen. Deutlich CO2-intensiver ist hingegen die Distribution in Deutschland.

Welche Emissionen beinhaltet der Carbon Footprint?

Neben CO2 wurden sämtliche Treibhausgase erfasst wie z. B. Methan oder Lachgas. Letzteres entsteht beim Düngemitteleinsatz im Baumwollanbau und besitzt die ca. 300-fache Klimawirkung von CO2. Die Angabe des Carbon Footprints erfolgt daher in Kilogramm CO2-Äquivalenten (CO2e).

Der größte Teil dieser Emissionen von 870 Gramm CO2e wird jedoch von den anteilig berücksichtigten Retouren verursacht. Auf sie entfallen ca. 470 Gramm CO2e.

Obwohl nur ein geringer Teil der Emissionen beim Handelsunternehmen selbst entsteht, sind die Möglichkeiten zur Beeinflussung des Carbon Footprints der Produkte groß: durch Optimierung des Energieeinsatzes in der Supply Chain, umweltfreundliche Transporte und Aufklärung der Konsumenten kann der Product Carbon Footprint reduziert werden.

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