UMWELTATLAS LIEFERKETTEN

Analyse der Umweltwirkungen und Hot-Spots ausgewählter Branchen entlang der Wertschöpfungskette

Die Umweltbelastungen, die in den internationalen Lieferketten von Unternehmen entstehen, sind oft um ein Vielfaches höher als an ihren Standorten in Deutschland. Unternehmen sind heute mehr denn je gefordert, ihrer gesellschaftlichen Ver­antwortung auch in der Lieferkette nachzukommen. Der „Umweltatlas Lieferketten“ von adelphi und Systain beschreibt erstmals umfassend, wie sich die Produktion von deutschen Unternehmen im Ausland auf die Umwelt auswirkt.

Die Studie untersucht die Umweltwirkungen acht ausgewählter Branchen im Hinblick auf vier Schlüsselbereiche des Umweltschutzes:

  • Treibhausgasemissionen
  • Luftverschmutzung
  • Wasserverbrauch
  • Landnutzung

Der Atlas zeigt auf, welche Umweltauswirkungen an welcher Stelle in den Lieferketten in welcher Weltregion auftreten und wie diese minimiert oder ganz vermieden werden können. Somit werden „Hotspots“ für die jeweilige Branche sichtbar gemacht. Darauf aufbauend stellt der Atlas Lösungsansätze und Instrumente vor.

Ergebnisse im Überblick: Welche Umweltbelastungen und Hotspots liegen bei den Branchen vor?

Bekleidungseinzelhandel

Beim Bekleidungseinzelhandel liegen im Vergleich zu den anderen Branchen die gesamten Umweltauswirkungen im mittleren Bereich. Bezogen auf den Umsatz zeigt sich jedoch die hohe Umweltintensität der Wertschöpfungskette.

Wichtiges Thema entlang der textilen Wertschöpfungskette ist die hohe Wasserintensität. Pro EUR Umsatz des deutschen Bekleidungseinzelhandels werden über 13 Liter Wasser in den vorgelagerten Wertschöpfungsstufen verbraucht, davon knapp 60 % in Regionen mit hohem Wasserstress, insbesondere in der Türkei sowie in einigen Regionen Asiens. Mehr als 80 % des Wasserverbrauchs sind auf den Baumwollanbau zurückzuführen, etwa 10 % auf die textile Fertigung.

Chemische Industrie

Die Chemieindustrie ist gemessen am Umsatz die zweitgrößte Branche der Untersuchung. Demzufolge sind die absoluten Umweltauswirkungen der gesamten Wertschöpfungskette im Vergleich zu den anderen Branchen hoch, vor allem beim Wasserverbrauch und bei der Landnutzung.

Die Wassernutzung ist aufgrund des hohen Gesamtverbrauchs in der Wertschöpfungskette der Chemieindustrie ein wichtiges Thema, zumal ein Drittel in Regionen mit hohem Wasserstress anfällt. Dies ist auf die Gewinnung von pflanzlichen Rohstoffen zurückzuführen. Die Hälfte des Wasserverbrauchs entsteht in Deutschland, sowohl durch die chemische Industrie selbst als auch durch direkte Lieferanten sowie landwirtschaftliche Produzenten in Deutschland.

Elektronikindustrie

Die Elektronikindustrie mit ihrer gesamten Wertschöpfungskette gehört zu den weniger umweltintensiven Branchen, sowohl absolut als auch umsatzbezogen.

Ein wichtiger Umweltaspekt in der Lieferkette der Elek­tronikindustrie sind Schadstoffemissionen. Die Gesamt-­Stick­oxidemissionen der Lieferkette sind um das 10­-fache höher als an den eigenen Standorten. Mehr als die Hälfte der Emissionen entfällt auf die Wertschöpfungsstufe der Vorprodukte, hier­ bei insbesondere entlang der Transportkette sowie durch den Strombezug auf der Vorstufe. Weiterhin sind Vorlieferanten der metallverarbeitenden und der chemischen Industrie relevant.

Fahrzeugbau

Der Fahrzeugbau ist die umsatzstärkste der acht Branchen. Entsprechend hoch fallen die Gesamt-Umweltauswirkungen entlang der Wertschöpfungskette dieser Branche aus. Bezieht man die Umweltauswirkungen auf den Umsatz, schneidet der Fahrzeugbausektor mit seiner Lieferkette vergleichsweise gut ab.

Entlang der Wertschöpfungskette des Fahrzeugbaus sind Treibhausgasemissionen ein wesentlicher Umweltaspekt. Die gesamten Treibhausgasemissionen der Lieferkette, von der Rohstoffgewinnung bis zu den direkten Lieferanten, sind um das Zehnfache höher als an den eigenen Standorten der Fahrzeugbaubranche. Die verursachenden Branchen sind vor allem Metallverarbeitung und Stromerzeugung sowohl bei direkten Lieferanten als auch auf vorgelagerten Stufen.

Lebensmitteleinzelhandel

Der Lebensmitteleinzelhandel hat sowohl absolut als auch umsatzbezogen die höchsten Umweltauswirkungen in seiner Wertschöpfungskette. Besonders in den Bereichen Wasserverbrauch und Landnutzung sind die Umweltauswirkungen mit Abstand am höchsten.

Landnutzung ist ein wichtiges Thema in der Wertschöpfungskette des Lebensmitteleinzelhandels. Geographisch konzentriert sich dies auf die Regionen Deutschland, aufgrund des hohen Wertschöpfungsanteils, aber auch auf Südamerika und Asien. Tierische Lebensmittel benötigen neben Ackerland für die Futtermittelproduktion auch einen erheblichen Anteil an Weideland. Insgesamt besitzen verarbeitete Lebensmittel die höchste Landnutzung gegenüber pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln.

Maschinenbau

Der Maschinenbau gehört trotz seiner Größe zu den Branchen mit vergleichsweise geringen Umweltauswirkungen entlang der Wertschöpfungskette. Bezogen auf den Umsatz schneidet der Maschinenbau von den acht untersuchten Branchen sogar am besten ab.

Ein wesentlicher Umweltaspekt der Lieferkette des Maschinenbaus sind Treibhausgasemissionen. Umweltrelevante Aktivitäten sind insbesondere die Metallverarbeitung und Stromerzeugung bei den direkten Lieferanten sowie auf vorgelagerten Stufen. Die Metallverarbeitung hat auch einen hohen Anteil an den Schadstoffemissionen und am Wasserverbrauch in der Lieferkette.

Metallerzeugung und -verarbeitung

Die Metallerzeugung und -verarbeitung hat von den acht untersuchten Branchen den höchsten Gesamtausstoß an Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette. Mit 0,7 Kilogramm CO2-eq pro EUR Umsatz weist diese Branche die höchste CO2-Intensität auf.

Treibhausgasemissionen sind das Hotspot-Thema in der Wertschöpfungskette der metallerzeugenden und -verarbeitenden Branche. Etwa zwei Drittel entfallen auf die Lieferkette der Branche, d.h. von der Rohstoffgewinnung bis zu den direkten Lieferanten. Dabei entstehen die meisten Emissionen wiederum direkt in metallverarbeitenden Vorstufen. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Schadstoffemissionen, auch hier dominieren Vorlieferanten der Metallerzeugung und -verarbeitung.

Papierindustrie

Die Papierindustrie ist die kleinste der untersuchten Branchen. Somit fällt zwar die absolute Umweltauswirkung entlang der Wertschöpfungskette vergleichsweise gering aus. Bezogen auf den Umsatz liegt die Umweltbelastung im oberen Bereich.

Die Analyse zeigt, dass Schadstoffemissionen entlang der Wertschöpfungskette der Papierindustrie – neben den anderen Themen – ein wichtiger Umweltaspekt sind. Jeweils ein Drittel entfallen auf die eigenen Standorte der Papierindustrie und die Stufe der direkten Lieferanten, ein weiteres Viertel entfällt auf die Stufe der Vorprodukte. Wichtigste Verursacherbranchen für Schadstoffemissionen sind die Branchen der Holz- und Papierindustrie sowie die Transportbranche.

Weitere spannende Ergebnisse:

47 Liter Wasser

verursacht der deutsche Lebensmitteleinzelhandel mit jedem EUR Umsatz

4 mal so groß

 wie das Saarland ist die Fläche, die für den Baumwollanbau der in Deutschland jährlich verkauften Kleidung benötigt wird

140 Megatonnen

an Treibhausgasemissionen emittiert der deutsche Fahrzeugbau inklusive Lieferkette jährlich

Die Ergebnisse, zu denen wir mit den Erhebungen zum Umweltatlas Lieferketten gekommen sind, machen ganz deutlich, dass sich jedes Unternehmen systematisch und langfristig um die eigene Lieferkette kümmern muss. Es geht dabei nicht nur um Reputation, sondern vor allem um unternehmerische Chancen und Risiken. Sind Vorlieferanten von Wasserknappheit oder strikteren Umwelt-Regulierungen betroffen, kann das zu Preissteigerungen oder gar Lieferausfällen führen und plötzlich unmittelbar das eigene Geschäft betreffen.“

Hubertus Drinkuth

Managing Director, Systain Consulting GmbH

Hintergrund: Analyse von Umweltbelastungen und Sozialrisiken

Die Umweltwirkungen der acht Fokusbranchen wurden mit einem ökologisch erweiterten Input-Output-Modell durch Systain berechnet. Mit dem Modell ermittelt Systain die Nachhaltigkeitsperformance von Wirtschaftsbranchen sowie einzelnen Unternehmen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Effekten in der Lieferkette. Ergebnis ist eine solide Faktenbasis für Nachhaltigkeitsmanagement sowie Nachhaltigkeitsberichterstattung. Analysieren Sie Ihre Hotspots in der Lieferkette.

Sie wollen weiterführende Informationen? Kontaktieren Sie unsere Ansprechpartner zu diesem Gebiet:

Christina Schampel

Christina Schampel

Managerin

+49 40 609 46 18 54

christina.schampel@systain.com

Strategieentwicklung / Wirtschaftsrecht /  Sozialverantwortung / Risiko-Assessment

Norbert Jungmichel

Norbert Jungmichel

Manager

+49 40 609 46 18 24

norbert.jungmichel@systain.com

Strategieberatung / Klima und Energie / Ressourceneffizienz / Unternehmensethik

Weiterführende Studien, Veranstaltungen und Weiteres zu diesem Thema:

 

Die Zukunft der globalen Wertschöpfung (Scope 3)

Analyse zum Scope 3 Management der 350 größten börsennotierten Unternehmen der DACH-Region

Nachhaltiges Lieferkettenmanagement

Performance und Transparenz von Lieferkettenmanagement steigern

Carbon Footprint von Bekleidung

Wieviel Treibhausgasemissionen verursacht Bekleidung? Einblicke in ein Forschungsprojekt

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