RELEVANZ DER SDGs AUS SICHT DER UNTERNEHMEN

 

Wissen Sie, welche der Sustainable Development Goals für Unternehmen besonders relevant sind?

Die Sustainable Development Goals (SDGs), die im September 2015 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen wurden und für alle Staaten der Welt gelten, sind ein historischer Meilenstein für die Nachhaltigkeit. Unternehmen sind dabei aufgefordert, aktiv am Erreichen der 17 Ziele (Goals) und 169 Zielvorgaben (Targets) mitzuwirken. Welche dieser zahlreichen Vorgaben der Sustainable Development Goals für Unternehmen konkret handlungsleitend sind oder sein können, ist allerdings unklar

Umfrage zur Unternehmensrelevanz der SDGs

Mit einer Online-Umfrage hat Systain 600 deutsche Unternehmen und Institutionen befragt, welche der SDG-Targets für Unternehmen die größte Relevanz haben. Angesprochen wurden die für Nachhaltigkeit zuständigen Personen. In der Befragung wurden die Teilnehmer aufgefordert, jeweils zwei Targets direkt miteinander zu vergleichen und das aus ihrer Sicht für ihr Unternehmen relevantere SDG-Target auszuwählen.

Die Befragungssystematik ermöglicht eine eindeutige Rangfolge der SDG-Targets aus Unternehmenssicht.

Kernerkenntnisse

Alle SDGs sind grundsätzlich relevant für Unternehmen. 23 SDG-Targets haben jedoch eine besonders hohe Unternehmensrelevanz.

Beim Klimaschutz sowie bei nachhaltige Produktions- und Konsummuster erwarten Unternehmen, dass der Staat aktiv wird und konkrete Rahmenbedingungen setzt – zwei „staatliche“ Targets verzeichnen eine sehr hohe Unternehmensrelevanz.

Die Umwelt-Targets verzeichnen insgesamt eine höhere Unternehmensrelevanz – soziale und ökonomische SDG-Targets sind vergleichsweise gering in den 23 Top-Targets vertreten.

Klassische Themen des Nachhaltigkeitsmanagements sind in den Top 23-Targets stark vertreten. Die Integration der Wertschöpfungskette ist jedoch auch bei den klassischen Themen noch eine offene Flanke für viele Unternehmen.

Zwei Themenbereiche kommen durch die SDGs neu auf die unternehmerische Agenda, unter anderem die Entwicklung nachhaltiger Produkte & Lösungen. Die gezielte Entwicklung solcher nachhaltiger Produkte und Services bietet für Unternehmen große Geschäftschancen, und durch die Orientierung an den SDGs können sie damit auch gesellschaftlichen Mehrwert liefern. Ein weiteres neues Thema mit hoher Unternehmensrelevanz bilden zwei Targets, die eine stärkere Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung über Klimawandel und Nachhaltigkeit zum Ziel haben.

 

Gewonnene Paarvergleiche pro Target (schematische Übersicht)

Lesebeispiel: Zwei Targets des SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“ haben über 50% der Paarvergleiche mit einem beliebigen anderen Target gewonnen. Die Höhe der Balken repräsentiert den %-Satz gewonnener Paarvergleiche pro Target.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen hinsichtlich der SDGs

Die Befragung zeigt, dass alle SDGs grundsätzlich relevant für Unternehmen sind. Erst auf Ebene der Zielvorgaben sind differenzierte Aussagen zur Unternehmensrelevanz möglich. Daraus folgt, dass sich Unternehmen nicht nur auf Ebene der 17 Ziele mit den SDGs beschäftigen sollten. Eine sachgerechte Auseinandersetzung mit den Themen erfordert, zumindest die Zielvorgaben detaillierter auf Target-Ebene zu berücksichtigen.

Unternehmen erwarten, dass der Staat im Bereich Klimaschutzmaßnahmen und nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster aktiv wird und konkrete Rahmenbedingungen setzt. Die entsprechenden Targets 13.2. und 12.1 haben für Unternehmen eine sehr hohe Relevanz, auch wenn ihre Umsetzung zunächst staatliches Handeln erfordert. Der Staat sollte hier seine Verantwortung wahrnehmen und durch klare Anreize die Erfüllung der Targets durch die Unternehmen fördern.

Die Befragung zeigt, dass Unternehmen eine hohe Relevanz insbesondere bei den Targets sehen, zu deren Erreichen sie mit innovativen, nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen beitragen können. Beispielsweise sind hierfür die Targets 11.6 „Umweltbelastung in den Städten senken“ und 9.1 „Hochwertige Infrastruktur aufbauen“, genannt. Für Unternehmen gilt es, die Geschäftschancen, die in der Erfüllung der SDGs liegen, zu identifizieren und daraufhin gezielt Produkte und Lösungen im Sinne eines Shared-Values zu entwickeln.

In der Befragung erreichen viele Targets und Themen eine hohe Relevanz, die im Nachhaltigkeitsmanagement von Unternehmen bereits etabliert sind. Allerdings gilt für diese Themen, wie z.B. dem Einsatz erneuerbarer Energien, der Schonung natürlicher Ressourcen und dem Gewähren menschenwürdiger Arbeitsbedingungen, dass die Reichweite des Managements viel stärker noch als bisher auf die gesamte Wertschöpfungskette ausgeweitet werden muss.
Hier müssen Unternehmen weit mehr als bisher über den Rand Ihrer eigenen Werkstore blicken und Verantwortung für ihre Lieferketten sowie die Nutzung und Verwertung ihrer Produkte übernehmen.

Angesichts der großen Komplexität der Wertschöpfungskette und des Produktportfolios von Unternehmen gepaart mit den umfassenden und globalen Anforderungen der SDGs sollten Unternehmen bei ihrer „SDG Strategie“ weitere Methoden einfließen lassen. Diese sollten zum einen bestimmen, wie stark ein Unternehmen über seine Wertschöpfungskette und verschiedene Länder hinweg Themen mit einem großen Abstand zum Entwicklungsziel berührt. Zum anderen sollte auch das Ausmaß, wie gut Unternehmen Einfluss nehmen und wie viel unternehmerischen Mehrwert ein Engagement leisten kann, Berücksichtigung finden.

Die Umsetzung der SDGs im Unternehmen bedeutet, dass die Betrachtung der Wertschöpfungskette und der Bereiche Produktentwicklung und Innovation größere Bedeutung erlangt. Die organisatorische Verantwortung sollte dieser Entwicklung Rechnung tragen, indem auf eine angemessene Verzahnung der verschiedenen betroffenen Unternehmensbereiche wie z.B. Einkauf, Produktentwicklung, Nachhaltigkeitsabteilung etc. geachtet wird.

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Kordula Wick

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