MENSCHENRECHTE IM GLOBALEN KONTEXT MANAGEN

Den steigenden Anforderungen zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht gerecht werden

Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie der Nationale Aktionsplan für Menschenrechte verlangen, dass Unternehmen eine Verantwortung für Menschenrechte übernehmen.

Aufgrund der steigenden Anforderungen zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht hat Systain 2018 einen CSR Leaders‘ Circle organisiert, in der 60 Teilnehmer aus 44 Unternehmen, Verbänden, NGOs und der Regierung sich intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt haben. In einer Mischung aus praxisnahen Kurzvorträgen und interaktiven Workshop-Formaten widmeten sich die Teilnehmer an den folgenden drei Fragestellungen:

1. Was sind die gesellschaftlichen Erwartungen an Unternehmen hinsichtlich des Managements von Menschenrechten?

2. Was verlangt der Nationale Aktionsplan für Wirtschaft & Menschenrechte und was bedeuten die UN-Leitprinzipen für Wirtschaft und Menschenrechte für die Umsetzung von Menschenrechts-Managementsystemen in Unternehmen?

3. Wie sieht eine pragmatische Umsetzung im Kontext von globalen Wertschöpfungsketten aus? Welche Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis gibt es hierzu?

Einblicke in das Leader Circle zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht

Irene Plank, Leiterin des Referats Wirtschaft und Menschenrechte im Auswärtigen Amt, stellte in ihrem Vortrag die Anforderungen, die der NAP an Unternehmen stellt, vor.  Gerade in Bezug auf Beschwerdemechanismen forderte sie die Unternehmen dazu auf, insbesondere in Branchen- und Multi-Stakeholder-Initiativen den Dialog zu suchen und gemeinsame Lösungen für die Achtung von Menschenrechten im Unternehmenskontext zu entwickeln. 

Im Impulsvortrag von Cornelia Heydenreich, Teamleiterin Unternehmensverantwortung bei Germanwatch e.V., betonte sie, dass vor allem potenziell Betroffene einbezogen werden müssen, wenn ein Unternehmen die Menschenrechte erfolgreich in die unternehmerische Praxis integrieren will. Die UN-Leitprinzipien und der NAP haben ihrer nach eine gewisse Dynamik bei den Unternehmen erzeugt. Jedoch bestehe in allen Branchen weiterhin großer Handlungsbedarf.

Torben Kehne, Director für menschenrechtliche Sorgfaltspflicht bei Systain, veranschaulichte die Komplexität der Menschenrechte. Zugleich stellte er dar, dass die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht (Human Rights Due Diligence) ein klares Schema vorgibt, wie Unternehmen mit dieser Komplexität in fünf Schritten umgehen können:

  • Grundlagen schaffen
  • Risikoanalyse durchführen
  • Maßnahmen erarbeiten und umsetzen
  • Beschwerdemechanismus etablieren
  • Zu Erkenntnissen berichten

Die Diskussion der Teilnehmer und insbesondere die Erfahrungsberichte von Maria Schaad (Merck KGaA) und Ferdinand Geckeler (BMW Group) lieferten konkrete Einblicke, wie die Anforderungen des NAP und der UN Guiding Principles in die unternehmerische Praxis umgesetzt werden können:

  • Unterstützung des (Top-)Managements
  • Schrittweise Umsetzung im Unternehmenskontext
  • Integration von Menschenrechtsfragen in Kernprozesse des Unternehmens
  • Anforderungen auch bei Lieferanten in entfernteren Wertschöpfungsketten einfordern

Unsere Umfrage zu der Relevanz der Menschenrechte aus Sicht der Unternehmen ergibt zwei Kernerkenntnisse:

  1. Die aus Sicht der Unternehmen wichtigsten Menschenrechte unterscheiden sich je nachdem, welche Wertschöpfungsstufe in den Blick genommen wird.
  2. Die Relevanz von Menschenrechten in der Lieferkette wird deutlich höher eingeschätzt als in den anderen Wertschöpfungsstufen.

Für die konkrete Umsetzung von menschenrechtlicher Sorgfalt im Unternehmen ist es hilfreich, sich einige aus Unternehmenssicht positive Effekte zu vergegenwärtigen. Folgende Aspekte wurden von den Teilnehmern genannt:

  • Menschenrechte gewinnen für Investoren an Bedeutung
  • Menschenrechtsverstöße können zu wirtschaftlichen Problemen in der Wertschöpfungskette führen
  • Mangelndes Management von Menschenrechten birgt Reputationsrisiken
  • es bestehen juristische Risiken durch Menschenrechtsverstöße

Menschenrechtliche Sorgfaltspflichten betreffen nicht nur das eigene Unternehmen, sondern umfassen auch die direkte und indirekte Lieferkette. Die besondere Herausforderung besteht darin, Menschenrechte nicht nur im eigenem Unternehmen, sondern auch in der gesamten Lieferkette zu berücksichtigen. Im Rahmen der menschenrechtlichen Risikoanalyse werden die Risikoschwerpunkte entlang der Wertschöpfungskette transparent gemacht. Auf Basis dieser Transparenz kann eine Priorisierung für die aus der Risikoanalyse abgeleiteten, notwendigen Aktivitäten erfolgen.

Die Maßnahmen zur Verhinderung, Verringerung und zum Ausgleich von Menschenrechtsverstößen sollten auf Grundlage der Ergebnisse der menschrenrechtlichen Risikoanalyse entwickelt werden. Die Definition von möglichst konkreten Zielen ist dabei ein wesentlicher Aspekt bei der Umsetzung der menschenrechtlichen Sorgfaltsflicht im Unternehmenskontext.

 Referenten:

  • Auswärtiges Amt – Irene Plank, Leiterin Referat Wirtschaft und Menschenrechte: Verpflichtend, freiwillig? Was wirklich hinter dem Nationalen Aktionsplan steckt
  • Germanwatch e.V. – Cornelia Heydenreich, Teamleiterin Unternehmensverantwortung: Erwartungen der Zivilgesellschaft an Unternehmen
  • Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) – Frank Zach, DGB Bundesvorstand: Menschenrechte weltweit – Erfahrungen aus dem Textilbündnis
  • BMW AG – Ferdinand Geckeler, Purchasing and Supplier Network: Herausforderungen beim Management von Menschenrechten in den Lieferketten der BMW Group
  • Merck KGaAMaria Schaad, Corporate Responsibility Manager: Erfahrungen bei der Durchführung von Human Rights Due Dilligence

Sie können sich einige Präsentationen der Referenten herunterladen. Bitte kontaktieren Sie Christina Schampel, um das Passwort dafür zu erhalten.

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Christina Schampel

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christina.schampel@systain.com

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Jens Winkler

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jens.winkler@systain.com

Strategieberatung / Sozialverantwortung / Menschenrechte / Monitoringsysteme

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